| Geschichte des SFV-Eberbach von 1934-1984 | |||
| von Helmuth Kappes Die Fischerei, neben der Jagd wohl eine der ältesten Tätigkeiten der Menschheit, wird auch am Neckar seit Menschengedenken betrieben. Allerdings nur von Berufsfischern, wenn man davon absieht, dass es ''Schwarzfischer" sicher zu allen Zeiten gab. Die reine Sportfischerei kennt man hier erst seit Ende vorigen Jahrhunderts. Da die Leute in unserer Gegend mit wenigem und armem Boden, nur mit Holz und Steinen als Naturschätzen ausgestattet, vom frühen Morgen bis in die Nacht hart arbeiten mussten, um ihren kargen Lebensunterhalt zu verdienen, war in ihrem Augen jemand, der nichts tut als fischend am Wasser zu sitzen, ein Ärgernis, ein Faulenzer. Deshalb konnte man auch noch nach dem ersten Weltkrieg die Angler an den Fingern abzählen. Sie genossen kein besonderes Ansehen und die Berufsfischer waren ihnen als Konkurrenz am Wasser auch nicht besonders grün. Die Not während der Arbeitslosigkeit in den 30-er Jahren veranlasste dann allerdings manchen, sich eine Angel zu beschaffen und zu fischen, dies jedoch hauptsächlich wegen der Bereicherung des Küchenzettels. Mancher, der in der Notzeit zum Angler wurde, fand Spaß an diesem Sport und so gewann das sportliche Fischen immer mehr Anhänger. Es reifte der Gedanken, einen Anglerverein zu gründen. Den letzten Anstoß hierzu gab wohl die Auffassung der damaligen Machthaber, dass auch Angler "gleichgeschaltet" und organisiert sein müssten. So erfolgte im November 1934 im Nebenzimmer der "Traube", dessen Besitzer Fritz Hoffmann ebenfalls Angler war, die Gründung des Sportfischervereins Eberbach. 38 Mitglieder trugen sich ein. Vorsitzender wurde Bankdirektor Bürck, Schriftführer und Kassenwart Martin Schmitt. Unser jetziges Ehrenmitglied Christian Weber betraute man mit dem Posten des Hilfskassiers und Vereinsboten. Weitere Gründungsmitglieder waren Rudolf Banspach, Wilhelm Büchler, Heinrich Huck, Erwin Friedrich, Eugen Kaupp, Adolf Neureuther, Karl Rehberger, Rudolf Reinschild, Ernst Sigmund, Gustav Rupprecht aus Einau und Karl Stephan aus Obrigheim. Der Eintritt des Vereins in den Landesfischereiverband wurde bereits im Februar 1935 vollzogen. Das Hauptanliegen des neu gegründeten Vereins war zunächst das Finden des richtigen Standortes zwischen den Vereinsmitgliedern mit ihren unterschiedlichen Vorstellungen, den Behörden und übergeordneten Verbänden mit den oft dirigistischen Eingriffen und den Berufsfischern, deren Argwohn gegenüber der unerwünschten Konkurrenz am Wasser abzubauen war. Die meisten Angler damals sahen wohl im Verein zunächst das notwendige Übel, um in den Besitz der Angelkarte zu kommen. Auch bei den Behörden und Verbänden gab es mancherlei Zielsetzungen. Neben vernünftigen Maßnahmen zur Pflege der Gewässer und Fischbestände gab es auch Dinge, die bei den Anglern auf wenig Verständnis stießen. Zum Beispiel wurde damals allen Ernstes die Einführung einer Angleruniform erwogen, wonach dann später möglicherweise die Bildung von Angler-"Zügen" und "Stürmen" ins Auge gefasst war. Auch betrachteten die Behörden den Verein gern als Vollzugsorgan für die Durchführung und das Einhalten von Vorschriften, deren Sinn den Anglern und auch dem Vorstand nicht immer einging. Die Berufsfischer, die damals noch eine gewichtige Rolle spielten, rangierten mit ihren Anliegen bei den Behörden noch an erster Stelle, wenn es um fischereiliche Probleme ging, und das Fingerspitzengefühl des seinerzeitigen Vorstandes wurde oft arg strapaziert, wenn es notwendig war, Auflagen der Ämter den nicht eben zart besaiteten Anglern begreiflich zu machen oder Auseinandersetzungen mit den nicht minder robusten Berufsfischern zu vermeiden oder zu schlichten. Zurückblickend kann aber gesagt werden, dass der damalige Vorstand dieses feine Gespür hatte und das gute Verhältnis zwischen Beruf und Sport im Großen und Ganzen gewahrt blieb. Eine erfreuliche Geste der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung gegenüber dem jungen Verein war die Verpachtung des Eberbacher Winterhafens an den Sportfischerverein. Der Winterhafen war vorher ein Fisch-Schonwasser des Badisch Unterländischen Fischereivereins, einer Ubergängerorgansation des Landesfischereivereins, der bekanntlich Berufs- und Sportfischerei gleichermaßen vertritt. Dieser Hafen, der heute infolge des Baues der Umgehungsstraße auf eine kleine Restfläche unweit der Ittermündung zusammengeschrumpft ist, hatte ursprünglich eine ansehnliche Größe und reicht neckaraufwärts fast bis in die Höhe des heutigen Kurhauses. Er war ein ausgezeichnetes Fischwasser und vor allem ein idealer Aufenthalt für die Fischbrut und Jungfische. Im Hafen durfte nur Sonntags und Mittwochs gefischt werden. Am Ende des Hafendammes legt heute noch eine im Pflaster verankerte Tafel mit entsprechender Inschrift Zeugnis von dieser Zeit ab. Die Verbindung zur Wasser- und Schifffahrtsbehörde war übrigens immer eine gute, was wohl auch darauf zurückzuführen war, dass der Sachbearbeiter für Fischereiangelegenheiten bei der Stuttgarter Direktion, Regierungsamtmann Dinkeldein, ein geborener Eberbacher war und ein Herz für die Fischer hatte. Nachdem Vorsitzender Bürck 1941 zum Kriegsdienst eingezogen wurde, übernahm Martin Schmitt die Vereinsgeschäfte, die auch während des Krieges nicht zum Erliegen kamen. Die Lebensmittel waren rationiert und für den gefangenen Fisch brauchte man keine Lebensmittelmarken. Das Fischen aus sportlichen Motiven trat verständlicherweise etwas in den Hintergrund. Das Wasser- und Schifffahrtsamt beschränkte mit Rücksicht auf die Berufsfischer die Zahl der für die einzelnen Fischereilose (Strecke zwischen den Stauwehren) ausgegebenen Angelkarten auf 40. Der Verein hatte inzwischen jedoch in Eberbach selbst mehr als 4o Mitglieder, die natürlich alle auf der Eberbacher Strecke fischen wollten. Da dies bei der vorgegebenen Zahl von 40 Karten nicht möglich war, gab es für den damaligen Vorstand einigen Ärger, wovon im Vereinsarchiv befindlicher Schriftwechsel aus dieser Zeit Zeugnis ablegt. Nach Kriegsende hörte zunächst jede fischereiliche Ordnung am Neckar auf. Eine Vereinstätigkeit war von der Besatzungsmacht verboten, jeder fischte wo und wie er wollte. Deshalb beantragte Martin Schmitt im Auftrag der übrigen Vorstandmitglieder, aber auch in Absprache mit noch im Amt befindlichen Beamten des Wasser- und Schifffahrtsamtes bei der damaligen US-Militärregierung in Heidelberg mit Schreiben vom 11. Febr. 1946 die Erlaubnis, eine Mitgliederversammlung durchführen zu dürfen, um baldmöglichst wieder ordentliche Verhältnisse am Wasser herzustellen. Eine solche Versammlung wurde dann auch tatsächlich laut Schreiben des Landratsamtes vom 22. Febr. 1946 genehmigt und am 27. März 1946 abgehalten. Welche Beschlüsse gefasst wurden, ist heute nicht mehr bekannt, da weder Aufzeichnungen noch Protokolle vorhanden sind. Jedenfalls ging es hauptsächlich um Fragen der so genannten Entnazifizierung. Es herrschte Unklarheit darüber, wer überhaupt fischen durfte und erst recht wusste niemand, wer eine "führende" Position einnehmen konnte, wer also den Verein vertreten durfte. Denn nach einer Verfügung der Militärregierung vom 23. Febr. 1946 war es grundsätzlich verboten, ehemalige Parteigenossen der NSDAP in einen Verein aufzunehmen. Jedenfalls fand am 2. Febr. 1947 mit Erlaubnis der Amerikaner die erste Generalversammlung nach dem Krieg im Gasthaus zum "Kettenboot" statt. Zu der Zeit zählte der Verein 316 Mitglieder oder solche, die es werden wollten. Allerdings waren diese nicht alle aus Eberbach, sondern kamen aus sämtlichen Orten der Umgebung, einschließlich Mosbach. Auch heute noch stammen die Vereinsmitglieder aus rund 100 Orten, obwohl zwischenzeitlich in Neckarelz und weiteren drei Orten neue Angelvereine gegründet wurden. Bei der Versammlung am 2. Febr. 1947 fanden dann auch Wahlen statt. Da bei den Vereinskameraden Politik nie eine Rolle gespielt hat, war es kein Problem, die Sportkameraden in den Vorstand zu wählen, die "unbelastet" waren. Vorsitzender wurde Eugen Kaupp, Schriftführer und Kassier Heinrich Knecht. Christian Weber behielt sein bisheriges Amt. Sonstige Vorstandsmitglieder wählte man nicht. Es handelte sich gewissermaßen um einen Notvorstand, der vor allem die Angelkarten zu besorgen hatte, die Verteilung der Karten auf die einzelnen Neckarabschnitte vornahm und im übrigen versuchte, Ordnung am Wasser wiederherzustellen. Ansonsten wurde wie bisher zusammengearbeitet. Martin Schmitt z.B. stand weiterhin mit seinen guten Kontakten zum Wasser- und Schifffahrtsamt und zum Landesfischereiverband zur Verfügung. Christian Weber war voll ausgelastet, die Karten beim Landratsamt und Wasser- und Schifffahrtsamt zu besorgen. Seine Wohnung am Kornmarkt war damals Vereinsmittelpunkt und Büro. So erfolgte allmählich eine Normalisierung des Vereinslebens und zwei Jahre später, am 20. März 1949 war die nächste Jahreshauptversammlung. Erster Vorsitzender wurde wieder Martin Schmitt, zweiter Vorsitzender Eugen Kaupp, Schriftführer Ernst Haake, Kassier Heinrich Knecht und 2. Kassier Christian Weber. Die Mitgliederzahl war leicht rückläufig, da die Topffischer nun ihre Kalorien wieder leichter anderweitig besorgen konnten. Der Preis für die Neckarkarte einschließlich Fischbesatzgeld betrug 15.-- DM, der Jahresfischereischein kostete 3.50 DM und der Vereinsbeitrag 6.-- DM. Für die Ordnung am Wasser von Hirschhorn bis nach Neckarzimmern waren fünf ehrenamtliche Fischereiaufseher des Vereins zuständig. Nachdem Martin Schmitt bei den Neuwahlen am 14. Jan. 1951 krankheitshalber nicht mehr kandidierte, wurde an seiner Stelle Helmuth Kappes zum 1. Vorsitzenden gewählt. Die übrigen Vorstandsmitglieder blieben die gleichen, wobei anzumerken ist, dass Schrift. Führer Ernst Haake 1952 von Wilhelm Schweitzer abgelöst wurde. Wilhelm Schweitzer hatte dann dieses Amt inne bis zu seinem Tod im Jahre 1970. Danach war Willi Mechler Schriftführer. Der heute noch amtierende Kassier Otto Kappes, welcher die Vereinsfinanzen vom im Jahre 1959 verstorbenen bisherigen Kassier Heinrich Knecht übernahm, verwaltet die Kasse dieses Jahr nun 25 Jahre! Zur Bewältigung der immer vielfältiger werdenden Aufgaben bildete man nach einen Beirat, der sich wie folgt zusammensetzte: Martin Schmitt, Willi Bombach, Hans Fuchs, Hermann Groß, Fritz Menges und Max Steinmetz. Auch wurde beschlossen, den Verein ins Vereinsregister eintragen zu lassen, was dann am 21. Jan. 1952 geschah.¬ Helmuth Kappes war bis 1975 Vorsitzender, also 24 Jahre. Um eine Verjüngung des Vorstandes einzuleiten, trat er in der Jahreshauptversammlung am 19. Jan. 1975 zurück und schlag als seinen Nachfolger Erich Schmieder vor. Weiter schieden an diesem Tag als Vorstandsmitglieder aus: Martin Schmitt, Rudolf Bansbach, Heinrich Gräf und Christian Weber. Christian Weber beendigte damit eine 41-jährige, ununterbrochene Tätigkeit im Vereinsvorstand! Der 2. Vorsitzende Paul Papritz hatte bereits 2 Jahre vorher aus gesundheitlichen Gründen sein Amt zur Verfügung gestellt. Dessen Position übernahm der jetzige 1. Vorsitzende Hans Wipfler. Zum Zeitpunkt dieses gravierenden Vorstandswechsels zählte der Verein 910 Mitglieder. Der neu gewählte Vorstand setzte sich wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender Erich Schmieder, 2. Vorsitzender Hans Wipfler, Schriftführer Willi Mechler, Kassier Otto Kappes. Als weitere Vorstandsmitglieder wurden gewählt: Rudi Kuhl, Karl Burkhardt, ' Peter Schwarz, Peter Bittner, Roland Lux, Fritz Seib, Heinrich Hattemer, K. Metzger, H. Roth, W. Bürklen, Johann Mechler. Der gewählte neue Vorsitzende Erich Schmieder musste im gleichen Jahr wegen Wegzug aus Eberbach den Vorsitz wieder abgeben. Seitdem leitet Hans Wipfler die Geschicke des Vereins. Nun zu den Arbeitsbereichen, die sich nach Kriegsende nach und nach für den Verein ergaben: Die nach einem leichten Rückgang nach der Währungsreform wieder zunehmende Mitgliederzahl und deren wachsende Ansprüche erforderten allmählich Überlegungen, das Fischwasser Neckar attraktiver zu machen und Umschau nach weiteren Möglichkeiten zu halten. So ergab es sich zwangsläufig, dass der Verein begann, neben den jährlichen eigenen Preisfischen am Neckar auch an derartigen Wettbewerben an anderen Gewässern teilzunehmen. Wir waren dann mit oft starken Mannschaften und auch großem Erfolg in Ketsch, in Breisach, in Thingen usw. Diese Teilnahme anderenorts konnte natürlich das Fischen an eigenen guten Gewässern nicht ersetzen. Im Gegenteil, der Wunsch nach eigenem weiterem Fischwasser wurde angesichts der in dieser Hinsicht besser erscheinenden Situation anderer Vereine immer dringlicher. Bei den zwar schon angesparten, aber für den Kauf eines der Größe des Vereins angemessenen Teiches noch viel zu geringen Geldmittel, war dies schon aus finanziellen Gründen ein schwieriges Unterfangen. Dazu kam, dass im unmittelbaren Umkreis von Eberbach kein Fischwasser käuflich war. Ein solches zu schaffen, war noch schwieriger und noch teurer. So kam es, dass eine Reihe zunächst gut aussehender Projekte bei Obrigheim, Friedrichsdorf, Mülben, Speyer, Hainbrunn usw. aus mancherlei und zuletzt finanziellen Gründen scheiterten. Man wollte sich ja nicht in finanzielle Abenteuer stürzen. 1954 gelang es jedoch, als ersten Schritt auf einem langen Weg, ein Stück Altarm der Itter mit 2.825 qm unweit der Maschinenfabrik Dilo vom bisherigen Besitzer, der Bundesbahn, zum Preis von 800.-- DM zu kaufen. In wochenlanger Arbeit einer Anzahl von Sportkameraden wurde ein Teil dieser Fläche zu einem kleinen Teich von 1.000 qm ausgebaut. Sodann konnte der Verein bei der Forellenwasser-Versteigerung im Jahre 1959 den unteren Teil der Itter bis zur Steinernen Brücke und 1972 ein weiteres Los bis kurz vor den Itter-Stausee zu erträglichen Preisen pachten, wozu dann 1975 noch das Los oberhalb Gaimühle bis zur hessischen Landesgrenze kam. In umfangreichen und zahllosen Arbeitseinsätzen vieler Sportkameraden wurde das in Stadtnähe gelegene Teilstück entlang des Ohrsberges durch Einbau von Holzschwellen und Tieferlegung des Bachbettes in Höhe der Maschinenfabrik Dilo so hergerichtet, dass auch hier trotz der geringen Wasserführung sportliches Angeln möglich wurde. Das jetzt 7,8 km lange Pachtwasser der Itter stellt nun eine Strecke dar, auf der sportliches Fischen mit Fliege und Spinner auf Forellen gut möglich ist. Nach vielen vergeblichen Versuchen in den zurückliegenden Jahren gelang im Jahre 1979 dem jetzigen Vorsitzenden Hans Wipfler der große Wurf. Der Kauf der Billigheimer Seen mit 3,5 ha Wasser und Grundstücksfläche. Das Projekt wurde in verschiedenen Mitgliederversammlungen ausgiebig besprochen und kontrovers diskutiert. Auch zogen sich die Verhandlungen 2 Jahre hin, was angesichts des aufzubringenden hohen Betrages von 340.000.-- DM nur natürlich war. Doch befand die Mehrheit der Sportkameraden letzten Endes, dass das Risiko kalkulierbar ist und diese einmalige Chance unbedingt wahrgenommen werden muss. Aus der heutigen Sicht kann der damalige Beschluss nur bestätigt werden. Unseren Mitgliedern und Gästen ist heute Bach-, Fluss- und Teichangelei gleichermaßen geboten. Solche Vielfalt können nur wenige Vereine vorweisen. Einen großen Raum in der Vereinsarbeit nahm schon immer der Kampf um die Reinhaltung der Gewässer ein. Die zunehmende Verschlechterung der Wasserqualität, hauptsächlich des Neckars, bestimmte lange Jahre die Aktivitäten des Vorstandes. Man erinnere sich: Riesige Schaumberge auf dem Neckar, hervorgerufen durch Waschmittelrückstände u.ä. Dann jedes Jahr mehrmalige kleinere und größere Fischsterben mit Tonnen toter Fische durch Sauerstoffmangel infolge Industrie- und Hausabwässer, durch eingespülte Schädlingsbekämpfungsmittel, aber auch wegen der damals noch nicht geregelten Müll- und Abfallbeseitigung der Schifffahrt. Das unkontrollierte Auspumpen von ölhaltigem Bilkwasser und Altölrückständen durch manche Schiffe kamen noch hinzu. Die Aufwärmung des Flusswassers durch die Kernkraftwerke sowie die Angst vor einer möglichen Atomverseuchung waren weitere Negativpunkte. Der aussichtslos erscheinende Kampf gegen diese Entwicklung war sehr entmutigend. Dieser Kampf wurde jedoch von unserem Verein nicht allein geführt. Die vielen anderen geschädigten Fischereivereine und der Verband, aber auch andere Naturschützer wie der Vogelschutzbund, haben schließlich erreicht, dass die Dringlichkeit dieser Sorgen nicht nur der Fischer wegen der Fische, sondern auch wegen der sichtbar gefährdeten Volksgesundheit der Öffentlichkeit bewusst wurde, und dass die Parlamente und der Staat endlich angemessen reagierten. Es bahnte sich eine erfreuliche Entwicklung an, nachdem das Land Baden-Württemberg ein Programm auflegte, wonach am Neckar entlang 100 Kläranlagen entstehen sollten. Dazu gehörte auch die Eberbacher Kläranlage. Heute ist dieses Programm nahezu durchgeführt und die Wasserqualität des Neckars ist zurzeit besser als dies je erhofft werden konnte. Allein die Fänge der letzten Jahre, auch seltenere Fische sprechen eine deutliche Sprache. Hinterher gesehen kommen dem Fischer die Jahre nach dem Krieg und besonders die 6o-er und 7o-er Jahre wie ein schlimmer Albtraum vor. Die bösen Erfahrungen der Verschmutzung des Neckars machten den Verein in dieser Beziehung besonders sensibel, so dass jährliche Reinigungen der Neckarufer und der Itter durch Vereinsmitglieder selbstverständlich wurden, nachdem zur Verbesserung der Verhältnisse selbst nicht viel mehr getan werden konnte, als Schäden zu registrieren und zu versuchen, die zuständigen Stellen und die Öffentlichkeit immer wieder zu alarmieren. Im Vereinsleben, in den Protokollen und im Schriftwechsel bildet dieses Thema in der damaligen Zeit einen dicken roten Faden. Es bestimmte die Vereinsarbeit! Zur Gewässerpflege gehört auch der Einsatz von Jungfischen. In den ersten Jahren des Vereins beschränkte sich dieser auf den Pflichtbesatz, der von den Behörden vorgeschrieben war und der über die Fischbesatzgelder der Jahresfischereischeine und Angelkarten finanziert wurde. Bereits 1952 jedoch begann der Verein aus eigenen Mitteln zusätzlich Fische einzusetzen, hauptsächlich Karpfen, Schleien, Aale, Hechte, Zander, Barsche und auch Barben. Hierfür wurden 45 jährlich 800.-- DM bis 1.500.-- DM ausgegeben. Es ist dabei zu erwähnen, dass die Einnahmen damals nur aus den Mitgliederbeiträgen bestanden. Die Mitglieder waren keine Großverdiener, im Gegenteil. Der Jahresbeitrag war lange Jahre nur 6.-- DM. Wegen der vielen Geringverdiener wurde deswegen auch an Teilnehmer der jährlichen Kameradschaftsabende ein Getränkegutschein von 1.-- DM bis 2.-- DM ausgegeben. Ab 1952 spielte vor allem für die Jungangler der Turnierwurfsport (Casting) eine Rolle, um den sich besonders der damalige 2. Vorstand und Sportwart Paul Papritz (2. Vors. von 1957 his: 1973) verdient machte. Bei verschiedenen Turnieren errang die Eberbacher Gruppe Kreis-, Landes- und sogar eine Bundesmeisterschaft. Einen Höhepunkt bei der Austragung dieser Meisterschaften war das Landesturnier 1957, das unser Verein am 13. und 14. Juli hier in Eberbach ausrichtete. Nach Beginn der Lehrgänge für die Fischerprüfung im Jahre 1961 trat der Turniersport in den Hintergrund. Der Verein konzentrierte sich darauf, möglichst viele Angler in Lehrgängen für die Fischerprüfung vorzubereiten, die das nötige Grundwissen über die Fische, die Gewässer usw. vermittelten. Am ersten Lehrgang nahmen rund 8o Sportkameraden teil. In der Zwischenzeit haben annähernd 1.500 Angler die Eberbacher Lehrgänge absolviert. Heute ist die abgelegte Fischerprüfung Voraussetzung zur Erlangung des Jahres- Fischereischeines. Die Preisangeln, die der Verein schon immer durchführte, haben in den letzten Jahren durch das Wettfischen auf Vereins-, Landes- und Bundesebene mit entsprechenden Meisterschaften eine Erweiterung erfahren. Die Eberbacher Wettkampfgruppe unter Leitung von Sportkamerad Walter Kerber hat bei diesen Wettkämpfen schon einige schöne Erfolge errungen, u.a. eine Bundesmeisterschaft. Die Gruppe wurde auch schon einige Male bei der Sportlerehrung der Stadt Eberbach ausgezeichnet. Die Chronik des Vereins wäre nicht vollständig, würden nicht auch noch andere Aktivitäten erwähnt, die auch zu einem Vereinsleben gehören. Ab 1950 veranstaltete der Verein jährlich Kameradschaftsabende mit Musik, Tanz usw., um auch die Frauen und Familie einmal mit dabei zu haben und die große Fischerfamilie komplett zu machen. Diese vereinsinternen Veranstaltungen waren sehr lustig und familiär. Sie wurden meistens in der "Itterbrug", aber auch mal in Obrigheim abgehalten. Der Besuch war immer sehr gut, das Lokal überfüllt. Nachdem die Stadthalle zur Verfügung stand, beschloss man 1959, das gerade fällige 25-jährige Jubiläum dort im großen Saal zu begehen. Mit großer Kapelle und Programm mit bekannten Künstlern war diese Veranstaltung sehr gut gelungen und ein großer Erfolg. Deshalb war man der Ansicht, den jährlichen Fischerball ebenfalls in die Stadthalle zu verlegen, nachdem die "Itterburg" in der Zwischenzeit auch nicht mehr zur Verfügung stand. Jedoch war es trotz inzwischen noch größerer Mitgliederzahl und auch zunehmenden Anstrengungen und Ausgaben für die Ausgestaltung nicht möglich, div. Frühere familiäre Atmosphäre in den Stadthallensaal zu übertragen. Die Überlegung des 1975 neu gewählten Vorstandes, anstelle des Fischerballes künftig ein 3 Tage dauerndes Backfischfest in einem Bierzelt, ähnlich wie in Ketsch, abzuhalten, wurde gutgeheißen. Das erste Eberbacher Backfischfest fand sodann im September 1975 in der Aue hinter dem Campingplatz statt. Der Erfolg war überwältigend. Seitdem hat dieses Fest im Eberbacher Veranstaltungskalender einen festen Platz. Beteiligungen des Vereins an Veranstaltungen der Stadt, an Fastnachtsumzügen, an Kuckucksmarktausstellungen usw. seien der Vollständigkeit halber hier aufgeführt. Eine Aktion verdient vielleicht besondere Erwähnung: Im Jahre 1954 rief die Stadt Eberbach alle Vereine auf, sich mit Arbeitsleistung am Ausbau des Sportplatzes in der Aue zu beteiligen. Der Sport-Fischerverein mobilisierte daraufhin ein starkes Aufgebot, um damit seine Solidarität mit den anderen Sportvereinen zum Ausdruck zu bringen. Allerdings glänzten dann deren Mitglieder schon am ersten und auch an den darauf folgenden Einsatztagen durch Abwesenheit. Die Arbeitsfreude unserer Mannen ließ natürlich entsprechend nach, so dass die Mitarbeit des SFV abgebrochen wurde. Nach einer Aufstellung der Stadtverwaltung hat aber dann tatsächlich der Angelverein am Platz für die Fußballer die meisten Arbeitsstunden geleistet und die meiste Erdbewegung geschafft! Auch so was gab es. Der Sportfischerverein Eberbach hat heute 821 Mitglieder. 303 Sportkameraden sind aus Eberbach, 516 kommen aus Orten der näheren und weiteren Umgebung. In den 50 Jahren seines Bestehens ist der Verein zu einer Institution geworden. Zu der Institution, die im Raum Eberbach-Mosbach die Fischerei schlechthin darstellt. Und dies ohne öffentliche Unterstützung, wenn man von den Zuschüssen im Rahmen der Jugendförderung durch die Stadt absieht. Der Vereinsvorstand hat allerdings eine solche zusätzliche Geldquelle hei seinen Überlegungen nie eingeplant, weil er der Meinung war, dass jeder Verein seine Aufgaben aus eigener Kraft und im Rahmen seiner Möglichkeiten erfüllen sollte. Vielleicht ist diese eigentlich selbstverständliche Einstellung in Bezug auf die eigenen Finanzen eine falsche. Im Blick auf, die heutigen Schulden des Bundes, der Länder und Gemeinden wäre es aber sicher besser, wenn unsere Auffassung in dieser Beziehung die allgemeine wäre. Mit dieser Betrachtung schließe ich die Rückschau auf 5o Jahre Sportfischerverein Eberbach mit der Zuversicht, dass unser Verein auch in Zukunft seine Aufgaben bewältigen wird und nicht zuletzt seinen angemessenen Beitrag zur Erhaltung der Natur leistet. |
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